Wahnsinn, wie schnell dieser Winter vorbei war. Natürlich, es war für mich eine verkürzte Rennsaison, da ich erst kurz vor Weihnachten meine Skirennraison mit einem Slalom eröffnete. Locker und losgelöst fühlte ich mich nach den ersten Rennen am Start, was sich im zweiten Lauf mit der Laufbestzeit belohnte.
116 Tage auf dem Schnee, wobei ich im September startet und von Mitte Oktober bis Mitte November keinen einzigen Schwung fahren durfte. 116 Tage in 4 Monaten. Wahnsinn, oder! Das geht nur mit dem notwendigen Zusammenspiel zwischen Ausbildung, Schule und Sport. Ihr könnt mir glauben, das ist ein riesiger Balance-Akt und eine Herausforderung für Alle.
In den nächsten Zeilen nehme ich euch mit – mitten hinein in meine Saison 2024/25. Gedanken, Erlebnisse, kleine Geschichten… herzlich willkommen!
Hotelleben – zwischen Lachen, Skischuhen und Regenerationsmättli
2–4 Athleten auf engstem Raum. Ein Zimmer voller Skischuhe, Rennanzüge, Mättli, Massagekugeln, Shakes – und dazwischen wir, irgendwo zwischen Training und Lernen, Ausruhen und Lachen.
Der Geruch? Eine Mischung aus Schweiss, Leidenschaft und Abenteuer – für mich riecht das nach Heimat. Für Aussenstehende… puhh, «gewöhnungsbedürftig».
Wir leben auf wenigen Quadratmetern, spielen uns kleine Streiche, diskutieren über grosse und kleine Fragen des Lebens und vergessen, dass wir am nächsten Tag wieder gegeneinander an den Start gehen. Diese Nähe ist nicht immer einfach, aber sie ist kostbar.
Opfer bringen – Lieber Lebensfreude ernten!
Dieses Wort gefällt mir so wenig wie «Entbehrungen machen». Es sind keine Opfer, die ich erbringe – es ist einfach eine andere Art zu leben und mein Ziel mit Herzblut zu verfolgen. Klar, während der Saison tanze ich nicht durch die Nächte. Aber an den wenigen Tagen, an denen ich zu Hause bin, geniesse ich den Austausch mit Freunden und Familie.
Ich lerne, meinen Weg zu gehen, meine Werte zu spüren und für mich einzustehen. Zu sagen: «Das tut mir gut» oder «Jetzt brauche ich eine Pause.» Und den Mut zu haben, genau danach zu handeln.
Manchmal hart. Immer lehrreich. Eine unglaublich wertvolle Lebensschule!
Gegenwind – dein Feind auf der Piste
Zwei Super-G-Rennen an einem Tag. Ein böiger Wind fegte über den Pizol – mal schob er dich, mal bremste er dich brutal aus. Ich machte mich so klein wie möglich und hatte trotzdem keine Chance. Wow, war ich hässig nach diesem Rennen!
Schade, dass mir das gleiche in Zinal beim Abfahrtsrennen nochmals passierte. Das Wetter – ein unberechenbarer Begleiter. Manchmal dein bester Freund. Manchmal dein härtester Feind. Und trotzdem: Jede Herausforderung formt mich.
SL-Besichtigung einmal anders:
In St. Luc durften wir den Slalom nur zu Fuss besichtigen. Die Piste war so aufgeweicht, dass wir tiefe Spuren in den Sulzschnee zogen – mit den Skischuhen, versteht sich.
Mit grossem Einsatz aller Trainer und Helfer wurde die Piste anschliessend gewässert und gesalzen, sodass tatsächlich 104 Athleten den Slalom fahren konnten.
Eine starke Teamleistung – und ein weiteres Abenteuer, das bleibt.
Meine Entwicklung
In jeder Disziplin konnte ich meine FIS-Punkte verbessern (→ [Link zur FIS-Liste]).
Klar – ein, zwei oder drei bessere Resultate wären möglich gewesen. Aber manchmal will es einfach nicht sein. Trotzdem bin ich zufrieden mit meiner Saison!
Vor allem, wenn ich bedenke, dass ich mit zwei Monaten Verspätung in die Rennsaison gestartet bin. Es ist mir gelungen, meine Punkte nach unten zu drücken – und noch viel wichtiger: Ich konnte meine Saison gesund beenden.
Das ist alles andere als selbstverständlich, wenn man einige «grüsigi» Stürze miterlebt hat.
Selektionen
In Woche 17 haben Hans Flatscher, Direktor Ski Alpin, zusammen mit den Cheftrainern Beat Tschuor (Frauen), Thomas Stauffer (Männer) sowie Nachwuchs-Chef Werner Zurbuchen die Kaderselektionen für die Saison 2025/26 vorgenommen.
Mein Ziel für die Saison 24/25, meinen NLZ-Kaderstatus (Nationales Leistungszentrum Swiss-Ski) zu verteidigen.
Die Selektionskriterien sind klar definiert:
- 50% – Stärkeliste, Rang 1–8
- 20% – Bewertung der Skitechnik
- 20% – obligatorischer Leistungstest
- 10% – Athletenbeurteilung
Beim Leistungstest habe ich den 1. Platz in meinem Jahrgang erreicht. Es bedeutet mir enorm viel, dass ich die Selektion in das NLZ bestätigen konnte und weiterhin auf die professionelle Betreuung meiner NLZ-Trainer/innen zählen darf.
Gerade weil ich den Weg von Lehre und Leistungssport gehe, braucht es eine enge, gezielte Führung, damit wirklich alles zusammenpasst.
Liebes NLZ-Trainer/innen-Team:
Ihr pusht mich, ihr bremst mich (wenn nötig), ihr seid streng, fair und habt immer ein offenes Ohr und lebt unseren Sport mit so viel Herzblut. Ohne euch wäre vieles nicht möglich.
Ein riesiges und von Herzen kommendes Danggä an euch!
Mein nächstes grosses Dankeschön geht an meine Sponsoren:
Dank eurer finanziellen Unterstützung kann ich meinen geliebten Skirennsport leben, mich gezielt weiterentwickeln, an Trainings teilnehmen, das Material finanzieren, Hotelrechnungen und Skitickets bezahlen – und mich voll auf Sport und Ausbildung konzentrieren.
Danggä, dass ihr an mich glaubt!
Ein spezielles Danggä geht an meinen Ausbildungsbetrieb – ihr seid nicht nur super flexibel und verständnisvoll, sondern ermöglicht mir, Sport und Ausbildung unter einen Hut zu bringen. Und natürlich auch ein herzliches Danggä an meine Lehrer: Auch wenn wir nicht immer einer Meinung sind, nehme ich trotzdem viel von euch mit.
Und natürlich: Danggä an meine Familie und Freunde.
Ihr seid da, hört zu, helft, organisiert, macht möglich – und lasst mich gleichzeitig am normalen Leben ausserhalb des Leistungssports teilhaben.
Ihr gebt mir Rückhalt und Bodenhaftung. Dafür danggä ich euch von Herzen!
Nach einer kurzen Woche Ferien von Schule, Arbeit und Sport ging es bereits wieder los: Aufbautraining, Skitrainings… die nächsten Abenteuer warten.
Es bleibt spannend, wohin mein Weg mich führen wird…
Machet’s guät, bliibet gsund – und bis bald!
Gruäss
Kilian